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Du bereust nur die Fotos, die du nicht gemacht hast. 🏅

von Gil Gropengießer

von Gil Gropengießer

Ich schreibe ĂŒber Fotografie, SelbststĂ€ndigkeit und KreativitĂ€t.

Wie sehr hĂ€ltst du dich am Hochzeitstag zurĂŒck?

Wie nah bist du dran? Speziell bei der Trauung?

Wirkt es unprofessionell, hĂ€ufig den Auslöser zu drĂŒcken?

Nur zur Einordnung: Wenn wir fĂŒr 8 Stunden gebucht sind, entstehen in dieser Zeit ungefĂ€hr 3000-4000 Fotos. Davon liefern wir ungefĂ€hr 800 an unsere Kund:innen aus.

Wenn du am Hochzeitstag – genau wie wir- viel fotografierst, erhöhst du natĂŒrlich die Wahrscheinlichkeit, besondere Momente einzufangen. Das ist wichtig, denn solche Momente sind flĂŒchtig und schnell vorbei.

Es ist wichtig, zu jeder Zeit bereit zu sein und lieber einmal mehr abzudrĂŒcken.

Es ist nicht lange her, da wurde ausschließlich auf Film fotografiert. Jedes Foto kostete Geld. Die digitale Fotografie hat dieses Problem gelöst.

Hin und wieder wurden wir dafĂŒr kritisiert, hĂ€ufig den Auslöser zu drĂŒcken. Machen gute Fotograf:innen nur wenige Fotos und macht sie das zu besseren Fotograf:innen?

Jerry Uelsmann, ehemaliger Professor an der UniversitĂ€t Florida, entschied sich zur DurchfĂŒhrung eines Experimentes. DafĂŒr teilte er seine Klasse der Fachrichtung Film- und Fotografie in zwei Gruppen. Die Studierenden auf der linken Seite des Klassenzimmers bildeten die Gruppe QuantitĂ€t. Ihre Abschlussnote sollte ausschließlich davon abhĂ€ngen, welche Menge an Fotos sie produzierten. Dabei kam es nicht darauf an, wie gut oder schlecht diese wĂ€ren. Die Leute auf der rechten Seite des Raumes bildeten die Gruppe QualitĂ€t. Ihre Bewertung wĂŒrde auf Basis des besten Einzelfotos erfolgen.

Der Professor stellte am Semesterende ĂŒberrascht fest, dass die besten Fotos alle in der Gruppe QuantitĂ€t entstanden. Diese Gruppe machte sich keine Gedanken ĂŒber die QualitĂ€t ihrer Arbeit. Die Student:innen fotografierten drauflos und experimentierten unbeschwert mit Licht und Bildkompositionen. Zur gleichen Zeit beschĂ€ftigte sich die Gruppe QualitĂ€t mit unterschiedlichen Theorien, auf welchem Wege großartige Fotos zu erzielen seien. Dabei kam leider die Praxis zu kurz. Mit kreativer Freiheit und Erfahrung entwickelte sich die Gruppe QuantitĂ€t zu besseren Fotograf:innen.

StĂ€ndig eröffnen sich uns an Hochzeitstagen verschiedene Gelegenheiten fĂŒr Fotos. Und zu oft halten wir uns zurĂŒck, um nicht zu stören oder aufzufallen.

HÀufig bereuen wir es spÀter, die Chance auf ein bestimmtes Foto nicht ergriffen zu haben. Du kennst das sicher. Die Balance ist die Herausforderung: Ich möchte nicht nerven, aber die bestmöglichen Fotos abliefern.

Genau das solltest du deinem Hochzeitspaar im VorgesprĂ€ch klar machen: Du möchtest sie mit deinen Fotos glĂŒcklich machen. Du wirst sie daher immer wieder darauf hinweisen, wenn sich Momente fĂŒr schöne Fotos ergeben.

Unsere Pflicht als Fotograf:innen besteht darin, auf Möglichkeiten hinzuweisen, ohne sie streng einzufordern. Unsere Erfahrung ist, dass unsere Kund:innen dankbar dafĂŒr sind. Sie selbst wissen schließlich nicht, welche Lichtsituationen oder HintergrĂŒnde fotogen sind.

GrundsÀtzlich ist es unsere Aufgabe der Möglichkeit auf schöne Fotos jederzeit eine Chance zu geben. Das Ziel sind die bestmöglichen Fotos, ohne als störend zu gelten.

Nicht jedes Foto wird perfekt sein, aber das ist nicht der Punkt. Es geht darum, Auswahlmöglichkeiten zu haben, um spÀter die ausdrucksstÀrksten Fotos auswÀhlen zu können.

Durch eine grĂ¶ĂŸere Anzahl an Aufnahmen kannst du auch die Vielfalt des Tages besser darstellen – von den großen, offensichtlichen Augenblicken bis hin zu den kleinen, intimen Details. In der Nachbearbeitung hast du dann die Freiheit, die Geschichte des Tages so zusammenzustellen, dass sie am besten die AtmosphĂ€re und Emotionen widerspiegelt.

Wer viele Fotos macht, verbringt im Nachhinein mehr Zeit bei der Bildauswahl. Tools wie Narrative Select helfen uns heute aber dabei, sehr schnell eine große Menge an Fotos zu sichten.

DrĂŒcke den Auslöser lieber einmal zu oft, als zu wenig.

Du bereust nur die Fotos, die du nicht gemacht hast.

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