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Natürliches Posing

von Gil Gropengießer

von Gil Gropengießer

Ich schreibe über Fotografie, Selbstständigkeit und Kreativität.

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Wir lieben Fotos, die so aussehen, als wären sie aus dem Leben gegriffen. Wenn wir also über natürliches Posing sprechen, dann meinen wir genau das. Stell dir vor du gehst durch die Stadt und auf der anderen Straßenseite siehst du ein frisch verliebtes Paar. Die beiden haben die Welt um sich herum vergessen, haben nur Augen für einander, umarmen sich und lachen viel. Genau das möchten wir festhalten. Diese Momente sind häufig nicht perfekt, im Sinne des klassischen Posings, aber sie berühren uns. Das führt uns zu einer einfachen Erkenntnis: Sobald wir einem Foto ansehen, dass der Fotograf oder die Fotografin eingegriffen hat, also das Paar gezielt gestellt hat, dann stehen die Chancen gut, dass wir das Foto nicht mögen.

Jedes Paar ist einzigartig. Wir alle lachen über verschiedene Dinge und wir finden unterschiedliche Dinge romantisch oder kitschig. Ein Produkt ist online mit unterschiedlichsten Sternen bewertet, denn wir sehen die gleichen Dinge und ziehen unterschiedliche Schlussfolgerungen daraus. Der Punkt ist folgender: Wir sind alle verschieden und einzigartig. Die Frage ist, wie können wir das zeigen? Stell dir vor du gehst auf einen Workshop, fotografierst dort ein sehr hübsches Paar, das regelmäßig modelt. Das Ergebnis sind tolle Fotos. Nur kannst du unmöglich die gleichen Anweisungen auf alle zukünftigen Paare anwenden. Das Paar auf dem Workshop war möglicherweise extrovertiert, bewegt sich gern, lacht viel. Dein nächstes Hochzeitspaar ist eher introvertiert und schüchtern. Würdest du beide Paare gleich behandeln, kann das gar nicht funktionieren.

Es geht also eher darum, Menschen lesen zu können und auf unterschiedliche Menschentypen reagieren zu können. Als Fotograf*innen sollten wir naturbedingt gut darin sein, mit vielen verschiedenen Menschentypen klarzukommen und auf sie einzugehen. Kommunikation ist der Schlüssel. Interessiert sein, nicht interessant sein. Dein Paar sollte die Stimmung des Photoshoots vorgeben. Stelle ihnen Fragen, versuche sie kennenzulernen und stelle dich nicht in den Vordergrund. Wenn das Paar gern albern ist, gehe darauf ein. Wenn sie ruhig und introvertiert sind, lasse sie weiter darin versinken. Was auch immer die beiden ausmacht, versuch nicht, ihnen etwas aufzuzwingen. Lasse die beiden verschiedene Posen ausprobieren, anstatt immer wieder das gleiche Programm abzuspielen. In diesem Blogpost möchten wir dir einige Posing Tipps für dein nächstes Photoshoot geben.

Inhaltsverzeichnis

1. Vertrauen

Für natürliche Fotos sollte sich das Paar in deiner Gegenwart wohl fühlen und öffnen können. Es hilft uns, die beiden vor dem Photoshoot persönlich kennenzulernen. Wir gehen meistens mit dem Paar gemeinsam einen Kaffee trinken oder vereinbaren einen Skype-Call, um einen besseren ersten Eindruck zu bekommen. Damit haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Ist erstmal ein gewisses Vertrauen hergestellt, wird alles leichter und das Paar wird vor deiner Kamera offener für verschiedene Posen sein. Du lernst, was den beiden wichtig ist, kannst Schlüsse daraus ziehen und so besser auf die beiden eingehen. In diesen Gesprächen geht es nie um uns, die Kamera oder das Photoshoot. Es geht nur darum, mehr über die beiden zu erfahren. Dieses Vertrauen ist unabdingbar, wenn du ehrliche und intime Momente festhalten möchtest.

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2. Termin und Location

Erwarte nicht von deinen Paaren, dass sie den Termin und Ort für das Shooting festlegen. Du weißt am besten, wann und wo das Licht gut sein wird, oder wo es gewünschte oder unerwünschte Reflexionen geben könnte. Sieh dich als Regisseur*in und gib den beiden einen Rahmen vor, in dem sie sich bewegen können. Das erste Kennenlernen kannst du nutzen, um einen Plan für das Shooting festzulegen. Frag das Paar nach Dingen, die sie gerne gemeinsam unternehmen. Was macht sie als Paar aus? Wann und wo fühlen sie sich besonders wohl? Nicht jeder Mensch fühlt sich im Wald oder in der Stadt gleichermaßen wohl. Diese Tatsache hat Einfluss auf die Wahl der Location.

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3. Outfits

Für unsere Paare gilt bei der Outfit-Wahl: Nur Sachen tragen, in denen sie sich wohl fühlen. Es darf gerne alltägliche Kleidung sein, die gut sitzt. Es ist nicht immer sinnvoll, sich neue Kleidung zu besorgen, diese am Tag des Shootings anzuziehen und dann festzustellen, dass man sich verkleidet vorkommt oder ständig am Shirt zupfen muss. Sie sollen sich unbeschwert können und sich nicht in ihren Posen und ihrem Bewegungen eingeschränkt fühlen. Wir empfehlen gerne Basics zu tragen. Bei Schuhen empfehlen wir darauf zu achten, möglichst nicht zu Modellen mit auffälligem Logo oder einem hohen Absatz zu greifen. Vermeiden sollten die beiden auffällige Kleidung in knalligen Farben, da die Menschen und nicht die Kleidung im Vordergrund stehen soll. Du kannst auch Plattformen wie Pinterest nutzen und ein Moodboard erstellen, um die beiden zu inspirieren. Wichtig ist, dass die Outfits des Paares harmonieren und farblich aufeinander abgestimmt sein. Immerhin ergeben sie ein gemeinsames Bild und dabei sorgen zu viele verschiedene Muster und Farben für Unruhe.

Natürliches Posing in der Praxis gezeigt

4. Raum für Interpretation

Es macht einen Unterschied, ob du eine Pose vorgibst oder du möglichst wage in deinen Anweisungen bleibst. Natürlich muss man manchmal als Fotograf*in direkt nachhelfen, wenn beispielsweise die Fußstellung komisch wirkt. Wir versuchen aber eher auf möglichst unkonkrete Anweisungen zurückzugreifen. Diese sind offener und lassen den Menschen mehr Raum zur Interpretation. Solch eine Anweisung kann sein, dass sich das Paar umarmen oder in eine bestimmte Richtung gehen soll. Wir sagen dem Paar nicht wie genau diese Umarmung aussehen soll, sondern lassen die beiden unsere Anweisungen zunächst frei interpretieren. Der Vorteil ist, dass die Beiden sich dadurch natürlicher bewegen und möglicherweise Dinge tun, auf die du nicht gekommen wärst. Du vermeidest dadurch, immer wieder die gleichen Fotos zu machen und das macht dein Portfolio langfristig individueller.

Posing Tipps beim Fotoshooting

5. Fingerspitzengefühl und Menschen lesen lernen

Im Laufe der Zeit wirst du Erfahrungen in der Paarfotografie sammeln. Dazu gehört auch, immer sensibler zu werden und ein Gefühl für die Menschen zu entwickeln. Welche Bilder wünscht sich dein Paar? Sollen es sehr romantische Fotos werden oder hast du ein Paar vor dir, das mit Romantik wenig anfangen kann? Du musst ein Gespür dafür entwickeln, was dein Gegenüber möchte und wie du darauf reagieren kannst. 

In unserem Live Shoots Workshop kannst du uns bei vielen verschiedenen Photoshoots über die Schulter schauen und bist während der gesamten Zeit hautnah mit dabei. Natürlich teilen wir alle Einstellungen wie Blende, ISO oder Verschlusszeit mit dir. Weder kannten wir die Paare vorher, noch hat das Wetter immer mitgespielt. Du lernst 100% authentisch wie wir arbeiten und kommunizieren. Die Shoots fanden an völlig unterschiedlichen Orten statt. Wir nehmen dich mit zum Locationscouting, sprechen vor dem Shoot über unsere Ideen und nach dem Shoot darüber was gut oder nicht so gut lief. Wir hatten keinen Einfluss auf das Wetter, die Menschen oder sonstige Gegebenheiten. Du wirst also sehen, wie wir Probleme lösen, mit Menschen kommunizieren und natürlich, wie wir fotografieren.

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