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Was macht aus dir einen Fotografen, wenn alle heute fotografieren?

von Gil Gropengießer

von Gil Gropengießer

Ich schreibe über Fotografie, Selbstständigkeit und Kreativität.

Wann ist man Fotograf:in in einer Welt, in der alle fotografieren?

Nahezu jeder besitzt ein Smartphone mit einer Kamera. Die Grenzen verschwimmen zwischen einem Fotografen und einem Hobby-Knipser.

Der Profi wird bezahlt, der Amateur nicht? Das kann nicht allein richtig sein, denn es gibt sehr viele weltbekannte Fotograf:innen, die zu ihren Lebzeiten nicht für Geld fotografiert haben. Vivian Maier war weder bekannt als Fotografin, noch hat sie Geld mit ihren Fotos verdient. Trotzdem würden wir sie alle als Fotograf:in bezeichnen.

Der Betrachter ordnet jedem Foto einen individuellen Wert zu. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Über Qualität lässt sich demnach streiten. Es kann also niemand einzelnes darüber entscheiden, wer Fotograf:in ist und wer nicht.

Ich glaube, du bist Fotograf:in, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  1. Du bezeichnest dich selbst als Fotograf:in. Du kannst dich heutzutage dafür entscheiden, Fotograf:in zu sein. Niemand benötigt eine Ausbildung oder ein Studium. Uns fiel es in den ersten beiden Jahren sehr schwer, uns als Fotograf:innen zu bezeichnen, obwohl wir zu dem Zeitpunkt bereits viele Menschen fotografiert hatten. Der erste Schritt in eine Zukunft als Fotograf:in ist, dich selbst als Fotograf:in zu bezeichnen.
  2. Du machst Fotos mit Intention und einem Ziel. Hobby-Knipser fotografieren häufig spontan und denken weniger in Geschichten, während Fotograf:innen gezielt und mit einer bestimmten Vision arbeiten. Fotograf:innen bereiten sich darauf vor, bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Sie lassen sich inspirieren, fertigen Moodboards an und arbeiten systematischer.
  3. Du setzt dich gedanklich mit der Fotografie auseinander. Du verstehst die technischen Aspekte der Fotografie, wie Blende, Belichtungszeit, ISO-Wert und die Wirkung unterschiedlicher Objektive. Du weißt, wie diese Einstellungen das Ergebnis beeinflussen und nutzt dieses Wissen gezielt, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Du hast ein Auge für Komposition, Lichtführung und Bildgestaltung. Du verstehst, wie man Emotionen, Stimmungen und Geschichten über Fotos vermittelt.
  4. Du setzt dich mit den entstandenen Ergebnissen auseinander. Du hast Erfahrung und fotografierst bereits längere Zeit. Du hast dir ein Portfolio aufgebaut, das deine Fähigkeiten zeigt. Fotograf:innen sind oft selbstkritisch und suchen aktiv nach Feedback, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Hobby-Knipser sind tendenziell weniger reflektiert und nehmen Kritik oft weniger ernst. Die Qualität deiner Fotos ist beständiger, da du mehr Erfahrung und Wissen mitbringst. Jedem gelingt mal ein einzelnes tolles Foto, doch Fotograf:innen sind in der Lage, immer wieder die richtigen Fotos bei verschiedenen Aufträgen, Orten und Lichtbedingungen zu kreieren.
  5. Du wirst für deine Fotos bezahlt. Fotograf:innen arbeiten häufig professionell. Das setzt einen gewissen Grad an Professionalität und Qualität voraus. Nur wer sich fotografisch von einem Hobby-Knipser unterscheidet, wird auch gebucht. Die meisten Fotograf:innen haben daher eine Website und Social Media Accounts, sie positionieren sich klar als Fotograf:innen.

Fazit

Hobby-Knipser machen Fotos häufig eher aus Spaß und ohne tiefergehendes technisches oder künstlerisches Wissen.

Das bedeutet nicht, dass Hobby-Knipser:innen keine guten Fotos machen können, aber die Herangehensweise und das Verständnis für Fotografie unterscheiden sich häufig.

Fotograf:in ist jemand, der / die Fotografie mit einer Kombination aus technischem Wissen, künstlerischem Verständnis und beruflichem Engagement betreibt. Der Unterschied zum/zur Hobby-Knipser:in liegt in der Tiefe der Auseinandersetzung mit der Materie und dem professionellen Anspruch an die eigene Arbeit.

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