In unserem Coaching-Programm PLUS hat eine Teilnehmerin neulich eine Frage gestellt, die mich lange beschäftigt hat.
Sinngemäß fragte sie:
Soll ich den Trends folgen oder auf mich selbst hören?
Soll ich mich dem Markt anpassen oder bewusst etwas Eigenes kreieren?
Ich finde, diese Frage beschreibt den inneren Struggle vieler Fotografen perfekt. Man steht irgendwann da und fragt sich: Was ist jetzt richtig? Verändere ich mich für meine Zielgruppe? Mache ich die Trends mit? Oder bleibe ich kompromisslos bei mir?
Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir: Alles kann gleichzeitig richtig sein.
Es gibt kein Schwarz oder Weiß
Wir neigen dazu, Entscheidungen als Entweder oder zu betrachten. Entweder ich folge Trends oder ich bin individuell. Entweder ich passe mich an oder ich bleibe authentisch.
Aber so funktioniert kreative Entwicklung nicht.
Am Anfang einer Karriere macht man oft vieles mit. Man orientiert sich stark am Markt, an dem, was funktioniert, an dem, was andere erfolgreich macht. Man probiert aus, man verbiegt sich vielleicht auch ein Stück weit, um zu verstehen, wie das Spiel funktioniert.
Und das ist nicht falsch. Es ist Teil des Prozesses.
Mit der Zeit verändert sich etwas. Man sieht Trends kommen und gehen. Man merkt, was sich für einen selbst gut anfühlt und was nicht. Man wird stabiler. Man kennt sein Handwerk besser. Man versteht, welche Bilder wirklich zu einem passen.
Die Gewichtung verschiebt sich.
Ein bisschen Trend, ein bisschen Eigenständigkeit
Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, Trends komplett zu ignorieren. Sie sind Ausdruck einer Zeit, einer Stimmung, eines kollektiven Geschmacks. Sich ihnen völlig zu verweigern, kann genauso starr machen wie ihnen blind zu folgen.
Aber man muss auch nicht alles mitmachen.
Vielleicht nimmt man ein Element mit. Eine Farbwelt. Eine Art von Licht. Eine bestimmte Präsentationsform. Und kombiniert das mit der eigenen Handschrift.
So entsteht etwas Eigenes.
Nicht durch radikale Abgrenzung, sondern durch bewusste Auswahl.
Die Gewichtung ist ein Prozess
Was sich wirklich verändert im Laufe der Jahre, ist nicht die Frage „Trend oder ich“, sondern die Gewichtung.
Am Anfang ist der Markt vielleicht lauter als die eigene Stimme.
Später wird die eigene Stimme klarer.
Und das passiert nicht, weil man sich das auf einem Blatt Papier überlegt. Sondern weil man sich über Jahre hinweg mit seiner Arbeit auseinandersetzt. Weil man fotografiert, reflektiert, verwirft, neu denkt.
Man lernt sich als Künstler erst kennen, wenn man arbeitet. Wenn man sich einlässt. Wenn man bereit ist, sich weiterzuentwickeln, statt etwas erzwingen zu wollen.
Wenn man aufhört, krampfhaft einzigartig sein zu wollen, entsteht oft genau das: eine eigene Handschrift.
Fazit
Die Frage „Soll ich Trends folgen oder auf mich selbst hören?“ hat keine eindeutige Antwort. Und genau das ist beruhigend.
Es gibt kein Schwarz oder Weiß. Es gibt nur ein Dazwischen.
Du darfst Trends mitgehen. Du darfst dich anpassen. Du darfst ausprobieren. Und du darfst dich wieder lösen.
Die entscheidende Veränderung passiert nicht in einem radikalen Entschluss, sondern in der Gewichtung. Und diese Gewichtung entwickelt sich ganz automatisch, wenn du dich deinem Beruf wirklich hingibst und dich über Jahre hinweg ernsthaft mit deiner Arbeit auseinandersetzt.
Einzigartigkeit entsteht nicht durch Trotz.
Sie entsteht durch Reife.


