Warum Fotografen unterbezahlt sind ­čĺŞ

von Gil Gropengie├čer

von Gil Gropengie├čer

Ich schreibe hier ├╝ber Fotografie, Selbstst├Ąndigkeit und Kreativit├Ąt.

Fr├╝her haben wir uns an den Preisen anderer Fotograf:innen orientiert, wir hatten ja keine Ahnung von Kalkulation.

Dazu kam unser Verst├Ąndnis daf├╝r, was viel oder wenig Geld ist. Was w├Ąren wir bereit f├╝r Fotos auszugeben und wieviel k├Ânnten wir selbst ausgeben?

Seitdem konnten wir jedes Jahr unsere Preise etwas erh├Âhen.

Doch speziell in den ersten Jahren haben wir uns h├Ąufig unter Wert verkauft.

Wie errechnet sich der Wert deiner Dienstleistung?

  1. Anhand der Preise anderer Fotograf:innen in deinem Markt? Das kann zu Beginn eine Orientierungshilfe sein. Es gibt jedoch unz├Ąhlige M├Ąrkte innerhalb der Hochzeitsfotografie und die Preise gehen weit auseinander.
  2. Anhand der beruflichen Erfahrung? Vielleicht ein bisschen. Wer schon lange fotografiert hat sich m├Âglicherweise ein aussagekr├Ąftiges Portfolio erarbeitet. Niemand kann jedoch viel Geld verlangen, nur weil er lange im Gesch├Ąft ist.
  3. Anhand der Qualit├Ąt der Fotos? Eher weniger, Qualit├Ąt definiert jeder anders. Aber nat├╝rlich sind gute Fotos die Grundvorraussetzung.
  4. Anhand der zu leistenden Stunden? Stundens├Ątze machen keinen Sinn. Je l├Ąnger etwas dauert, umso teurer wird es f├╝r den Kunden. Dabei sollte es teurer werden, wenn wir schneller liefern. Wir sollten nach Ergebnissen berechnen, nicht nach Zeit.
  5. Anhand der Kosten? Es geht nicht darum wieviel du verlangen musst, sondern darum wieviel du verlangen m├Âchtest. Wer nur kostendeckend arbeitet, kann nie Pausen machen, in Weiterbildung investieren und Geld zur├╝cklegen.
  6. Anhand dessen, was du selbst zahlen k├Ânntest oder w├╝rdest? Nat├╝rlich nicht. Es gibt Menschen, die haben mehr Geld als du und sie sind bereit, mehr daf├╝r auszugeben. Du entscheidest, an wen sich dein Angebot richtet.

Alle Punkte spielen mit rein, machen jedoch keinen gro├čen Unterschied. Fotograf:innen sind h├Ąufig unterbezahlt, weil sie ihren Wert anhand der vorangegangenen Punkte ermitteln.

Folgende Punkte k├Ânnen den Wert jedoch viel mehr beeinflussen:

  1. Positionierung Nur eine bestimmte Gruppe anzusprechen, ist Positionierung. Ein Angebot f├╝r jeden ist ein Angebot f├╝r niemanden. An wen richtest du dein Angebot? Wer versucht es jedem recht zu machen, sucht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, also dem Durchschnitt. Niemand zahlt jedoch einen hohen Preis, f├╝r ein durchschnittliches Produkt. Die Luft ist im mittleren Preissegment und d├╝nnsten, die Konkurrenz ist gro├č. Du entscheidest, was du f├╝r ein Produkt anbietest und wem du an anbietest. Es gibt nicht nur einen Hochzeitsfotografie-Markt, sondern unz├Ąhlige kleine Mikro-M├Ąrkte.
  2. Branding Dein Brand beeinflusst deinen Preis am meisten. Nimm einen Kaffee, mach ein Starbucks Logo drauf und schon ist der Kaffee 3x so teuer. Es geht nicht um den realen Wert, sondern um den wahrgenommenen Wert. Deine Marke sind alle Gef├╝hle, die Kund:innen mit dir in Verbindung bringen. Deine Kommunikation, deine Website, deine Texte, deine Stories – All das und noch viel mehr beeinflusst, wie dein Brand gesehen wird.

Fazit

Du darfst mehr Geld verlangen. Lass dich nicht von deiner eigenen Vorstellungen davon, was du f├╝r eine Hochzeitsreportage nehmen solltest oder darfst, bremsen.

Preise sind fiktiv. Nat├╝rlich musst du deine Kosten decken und Gewinn erwirtschaften, dar├╝ber hinaus sind deine Preise aber fiktiv. Du entscheidest, welcher Gruppe du deine Dienstleistung anbietest. Du kannst dich jederzeit neu ausrichten und positionieren.

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