Wir sprechen in unserer Branche immer wieder von schönen Hochzeiten, besonderen Hochzeiten, teuren Hochzeiten. Und meistens meinen wir damit Äußerlichkeiten. Die Location, die Kleidung, die Dekoration, das Budget und die Frage, wie gut sich das alles später auf unserer Website oder auf Instagram präsentieren lässt.
Auch wir haben über viele Jahre gelernt, Hochzeiten danach zu beurteilen, wie interessant sie für unser Portfolio sind. Das ist aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar, denn die Hochzeiten, die wir zeigen, bestimmen mit darüber, welche Kunden uns zukünftig buchen. Aber ich glaube, dass wir aufpassen müssen, nicht irgendwann den eigentlichen Wert einer Hochzeit aus den Augen zu verlieren.
Eine Hochzeit kann in einem einfachen Gemeindesaal stattfinden und emotional unglaublich berührend sein. Und sie kann mehrere Hunderttausend Euro kosten, ohne dass die Menschen einander besonders nahestehen.
Unseren Second Shootern ist es am Hochzeitstag ausdrücklich untersagt, in meiner Gegenwart über die Hochzeit zu urteilen. Ich möchte keine Kommentare darüber hören, wie etwas aussieht, wie die Hochzeit organisiert ist oder ob sie besonders interessant für unser Portfolio sein könnte. Nicht, weil ich grundsätzlich keine Meinung dazu habe, sondern weil ich mich während der Arbeit bewusst nicht mit solchen Bewertungen beschäftigen möchte. Ich will meine Aufmerksamkeit ausschließlich darauf richten, wie wir unter den gegebenen Bedingungen die bestmöglichen Fotos für das Brautpaar machen können. Deshalb möchte ich mit meinem Team über Licht, Perspektiven, Abläufe und fotografische Möglichkeiten sprechen, aber nicht darüber, was uns an einer Hochzeit gefällt oder missfällt. Ich glaube, dass uns solche Urteile nur davon abhalten, wirklich aufmerksam zu sein und unsere Arbeit so gut wie möglich zu machen.
Natürlich dürfen wir als Fotografen einen eigenen Geschmack haben. Natürlich dürfen wir entscheiden, welche Art von Hochzeiten wir fotografieren möchten und welche Arbeiten wir veröffentlichen. Auch ich wünsche mir schöne Orte, gutes Licht und Menschen, deren Ästhetik mich anspricht. Das gehört zu unserem Beruf und zu unserer künstlerischen Entwicklung. Aber es gibt einen Unterschied zwischen der Frage, ob eine Hochzeit zu meiner fotografischen Arbeit passt, und dem Urteil, ob diese Hochzeit gut genug ist.
Denn am Ende sind wir Gäste im Leben anderer Menschen. Wir bekommen Zugang zu Momenten, deren Bedeutung weit über unsere Fotos hinausgeht. Und ich finde, dieser Umstand verdient eine gewisse Demut.
Ich wünsche mir, dass wir aufhören, jede Hochzeit an einem ästhetischen Ideal zu messen, das wir als Branche selbst miterschaffen haben. Wir dürfen als Fotografen ästhetische Ansprüche haben und uns bewusst positionieren. Aber wir sollten nicht vergessen, dass Hochzeiten keine Produktionen sind, deren Wert sich an ihrer Verwertbarkeit für unser Portfolio bemisst.


