Wer fotografiert eigentlich? Du oder deine Marke?

In den letzten Jahren habe ich immer wieder beobachtet, dass Fotografen irgendwann anfangen, mit ihrer Marke zu verschmelzen.

Sie entwickeln einen Stil. Eine Website. Einen Ton auf Instagram. Sie wissen, welche Bilder gut funktionieren, welche Hochzeiten sie zeigen müssen und welche nicht. Irgendwann ist diese äußere Hülle so ausgearbeitet, dass man leicht vergisst, dass sie genau das ist: eine Hülle.

Denn eine Marke ist nicht deine Identität.

Sie ist eine Rolle.

Und Rollen haben eine erstaunliche Eigenschaft: Wenn man sie lange genug spielt, glaubt man irgendwann selbst, man wäre sie.

Das beginnt oft ganz harmlos. Man merkt, dass bestimmte Bilder besser funktionieren als andere. Dass eine bestimmte Art zu fotografieren häufiger gebucht wird. Also macht man mehr davon. Dann verändert man die Website. Dann den Bildstil. Dann die Sprache. Alles völlig nachvollziehbar.

Irgendwann passiert aber etwas Merkwürdiges.

Man schaut auf das eigene Portfolio und denkt: Eigentlich ist das gut. Aber warum fühlt es sich nicht mehr nach mir an?

Ich glaube, viele Fotografen halten diesen Moment für eine kreative Krise. Dabei ist es oft etwas anderes. Es ist der Moment, in dem die Rolle größer geworden ist als die Person dahinter.

Deshalb glaube ich, dass wir Kreative regelmäßig aus unserer eigenen Branche verschwinden sollten.

Nicht, um neue Ideen zu finden.

Sondern um wieder wahrzunehmen, was uns überhaupt berührt.

Ich merke das inzwischen in Museen viel stärker als auf Instagram. Oder wenn ich einen Bildband anschaue. Oder einen Film sehe, der langsam erzählt. Dort geht es plötzlich nicht mehr darum, was funktioniert. Niemand versucht, mir etwas zu verkaufen. Niemand möchte Reichweite. Es geht einfach nur darum, etwas zu zeigen.

Und genau dann passiert etwas Interessantes.

Ich merke wieder, worauf ich emotional reagiere.

Nicht, was ich gut finde.

Nicht, was modern ist.

Sondern was mich tatsächlich berührt.

Ich glaube, genau dort beginnt Identität.

Nicht in der Frage: Wie möchte ich wirken?

Sondern in der viel schwierigeren Frage:

Was berührt mich eigentlich wirklich?

Denn aus dieser Antwort entsteht irgendwann fast von allein ein Stil. Eine Bildsprache. Eine Positionierung.

Nicht, weil man sie geplant hat.

Sondern weil sie aus einem selbst herausgewachsen ist.

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