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Fotos mit (gewollter) Unschärfe kreieren

von Gil Gropengießer

von Gil Gropengießer

Ich schreibe über Fotografie, Selbstständigkeit und Kreativität.

Aktuell sehen wir in der Hochzeitsfotografie vermehrt Fotos mit gewollter Unschärfe.

Unschärfe als Stilmittel ist keinesfalls neu, sondern so alt wie die Fotografie selbst. Schon Ikonen wie Peter Lindbergh haben Unschärfe gekonnt und bewusst eingesetzt.

Natürlich sprechen wir von gewollter Unschärfe, nicht von dem Versehen.

Ein Foto wird nicht automatisch interessanter, nur weil es unscharf ist.

Wer versehentlich unscharfe Fotos macht und diesen Fehler im Nachhinein als Stilmittel entschuldigt, hat nicht verstanden worum es geht.

Wir setzen das Stilmittel der Unschärfe meistens nur ein, wenn wir bereits scharfe Fotos vom dem Motiv haben. Es werden also zuerst scharfe Fotos von der Tischdekoration am Hochzeitstag gemacht, ehe wir unscharfe Fotos davon machen. Wir sehen es nicht als Selbstverständlichkeit an, dass jeder so begeistert von unscharfen Fotos ist wie wir.

Was macht das Stilmittel der Unschärfe so besonders?

Die Schönheit liegt darin, Inhalte weniger offensichtlich zu präsentieren.

Teile des Inhalts erahnen zu müssen kann interessanter sein, als das Ergebnis platt präsentiert zu bekommen.

Das Traurige an der digitalen Fotografie ist der Anspruch, alles perfekt abbilden zu wollen. Es gibt wohl kaum etwas belangloseres als technische Perfektion in der Fotografie.

Kritik an Fotos mit Unschärfe kommt daher eher von den Menschen, die Inhalte komplett durchschauen und offengelegt haben möchten.

In anderen künstlerischen Bereichen wird die Realität auch bewusst verzerrt: In der Malerei haben wir nicht den Anspruch, dass der Künstler oder die Künstlerin alles so nah am Original wie möglich darstellt.

Einstellungen

Die technischen Schritte zu einer schönen Unschärfe sind denkbar leicht:

  1. Du arbeitest im manuellen Modus.
  2. Die Verschlusszeit setzt du auf 1/60.
  3. Die ziehst die Kamera leicht zur Seite und drückst noch während der Bewegung ab.

Wann machen Fotos mit Bewegungsunschärfe am ehesten Sinn?

  1. Wenn du bereits scharfe Fotos von deinem Motiv hast, denn dadurch bist du immer auf der sicheren Seite. Mach keine unscharfen Fotos von Momenten, die nicht wiederholbar sind.
  2. Bei klaren Strukturen und Kontrasten, denn dadurch wirkt das Foto ausgeräumter. Unschärfe nimmt dem Foto die Klarheit, da Strukturen und Kontraste verschwimmen. Ist auf dem Foto auch ohne Unschärfe schon viel los, wird die Unschärfe für ein noch größeres Durcheinander sorgen.

Fazit

Unschärfe ist nicht gleich Unschärfe. Sie muss perfekt gesetzt sein und die richtige Stärke haben. Es ist daher ratsam viel auszuprobieren und zu üben.

Du kannst nicht davon ausgehen, dass deine Kunden und Kundinnen solche Fotos direkt verstehen. Du solltest daher bei freien Projekten üben und unscharfe Fotos nach und nach in dein Portfolio integrieren.

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