Seit KI es unfassbar einfach gemacht hat, Dinge aus Fotos zu entfernen, verändert sich langsam die Bildsprache in der Hochzeitsfotografie. Brautpaare stehen plötzlich überall allein. Allein auf der Tanzfläche, allein auf einer Terrasse, allein inmitten einer Hochzeit voller Menschen. Und natürlich wissen wir alle: So war es nicht.
Dabei ist das Schöne an Hochzeiten doch gerade, dass sie alles enthalten, was Menschsein ausmacht. Liebe, Freude, Chaos, Traurigkeit, Nähe, Ekstase, Unsicherheit, Ausdruck.Und trotzdem versuchen wir zunehmend, genau diese Unkontrollierbarkeit aus unseren Fotos zu entfernen. Vielleicht auch deshalb, weil unser gesamter Zeitgeist von Perfektion geprägt ist. Die perfekte Wohnung, das perfekte Outfit, die perfekte Beziehung, die perfekten Worte. All das tragen wir inzwischen auch in unsere Fotografie hinein.
Das Problem ist nur: Menschen scheitern oft genau an diesem Anspruch. Weil Leben eben nicht bedeutet, alles kontrollieren zu können. Und weil Perfektion kein erreichbarer Zustand ist, sondern eine Illusion, der wir hinterherlaufen.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum gerade eine Gegenbewegung entsteht. Warum Menschen langsam müde werden von dieser glatten Welt. AI-sick vielleicht. Müde von perfekten Bildern, perfekten Texten und perfekten Websites, die sich alle ähnlich anfühlen.
Vielleicht erlebt analoge Fotografie deshalb gerade so eine Renaissance. Und ehrlich gesagt glaube ich: Wenn jemand analog fotografiert und anschließend beginnt, diese Bilder mit KI perfekt aufzuräumen und zu bereinigen, dann wurde eigentlich genau das missverstanden, wonach Menschen sich gerade sehnen. Denn der Reiz analoger Fotografie liegt ja nicht in einer weiteren Form von Perfektion, sondern gerade darin, dass sie Fehler zulässt, Zufälle sichtbar macht und sich dem vollständigen Kontrollieren entzieht.
Interessant ist auch, dass man gerade der Gen Z, also der Generation, die jetzt langsam ins heiratsfähige Alter kommt, genau diese Sehnsucht nachsagt. Dass sie müde sind von Überinszenierung, von Perfektionismus, von dem Druck, dass alles teuer, makellos und instagrammable sein muss. Dass sie sich wieder nach echten Dingen sehnen. Und ehrlich gesagt hoffe ich sehr, dass das stimmt.
Wir Fotografen haben dabei mehr Einfluss, als wir oft denken. Die Fotos, die wir zeigen, prägen Vorstellungen davon, wie eine Hochzeit, ein Körper oder ein Leben auszusehen hat. Und vielleicht sollten wir uns dieser Verantwortung bewusster werden.
Denn vielleicht liegt das Schöne am Leben gerade darin, dass eben nicht alles perfekt ist.


